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15.11.2012 – Susanne Mungenast



Anwendung des lösungsorientierten Ansatzes in der Schule



Fragen und Probleme bezüglich Leben und Lernen in Familie, Schule und Ausbildung nehmen zu.


Gerade in Schulen zeigt sich ein großes Bedürfnis nach Beratung.

Es wird geklagt über schwierige, respektlose Schüler, über Mobbing und  Gewalt, über den Leistungsdruck einer verkürzten Gymnasialzeit, über sinkendes Leistungsniveau, über Integrationsschwierigkeiten von Schülern mit Migrationshintergrund, über ADHS, LRS, Dyskalkulie, über fordernde oder überfordernde Eltern, über zu große Klassen, über unzugängliche Schulleitungen und Lehrer…


Der lösungsorientierte Ansatz ist meiner Meinung nach eine sehr erfolgversprechende Methode, um den Beratungsbedürfnissen sowohl von Schülern und Eltern als auch von Lehrern und Schulleitungen gerecht zu werden.


Lösungsorientierte Ideen lassen sich bei einem breiten Spektrum von schulischen Problemen und Situationen anwenden:

In der schulischen Beratungsarbeit, bei der systematischen Lernförderung, ebenso aber auch direkt im Klassenzimmer bei der Umsetzung von gemeinsam erarbeiteten Lernzielen.


Lösungsorientierte systemische Beratung konzentriert sich auf Ziele und Lösungen, stärkt bei den ratsuchenden Personen Autonomie und Selbstwert, ist auf Stärken und Ressourcen ausgerichtet und versucht Impulse zu setzen für erste Veränderungs- und Entwicklungsprozesse.


Die Ratsuchenden – Schüler, Eltern, aber auch Lehrer – verfügen über alle notwendigen Ressourcen und sind die Experten für ihre Probleme. Die Berater begleiten diesen Prozess als Moderatoren.

Lösungsorientierte schulische Beratung und Begleitung können eigens dafür ausgebildete Beratungslehrer, Schulpsychologen, aber auch Lehrkräfte durchführen, deren Rollenverständnis im Schulalltag nicht davon geprägt ist, stets die Position wissender Experten einnehmen zu müssen – beim lösungsorientierten Vorgehen ist dieser Part ja bereits an Ratsuchende vergeben.


In der lösungsorientierten Beratung wird nicht mit spezifischen Techniken und Frageformen für spezifische Probleme, Situationen und/oder Diagnosen gearbeitet. 

Lösungsorientierte Beratung ist unspezifisch ausgerichtet und versucht, viele Probleme auf ähnliche Weise zu behandeln:


Erwartungen/Wünsche/Ziele gemeinsam klären und beschreiben


die erwünschte Zukunft entwerfen


Momente der erwünschten Zukunft im Hier und Jetzt finden


Stärken und Ressourcen würdigen


Veränderungsprozesse anstoßen und „die ersten kleinen Schritte“ gehen.   



24.09.2012 – Susanne Mungenast

 

 

Lösungsorientierung in Coaching und systemischer Beratung Was ist das Interessante an dieser immer häufiger gewählten Form der Beratung?

 


Nach Insa Sparrer, einer wichtigen Vertreterin der Lösungsfokussierung in Beratung und Therapie, kann der lösungsorientierte Ansatz immer dann angewendet werden, wenn Personen oder Gruppen von Personen irgendeine Art Veränderung möchten und in etwa wissen, in welche Richtung die Veränderung gehen soll. Diese Personen brauchen also ein Anliegen; ein Problem bzw. ein Leidensdruck ist hingegen nicht zwingend erforderlich.

 

Menschen sind Lebewesen, die danach streben, ihre Potentiale zu entfalten. Gemäß dieser Maxime arbeitet auch der bekannte Schweitzer Coach Dr. Peter Szabo.

Die wichtigste Aufgabe eines Beraters bzw. eines Coachs ist es demzufolge, einen Raum zu schaffen, in dem sich Lösungen entfalten können: „Probleme sind auf den Kopf gestellte Lösungen.“

 

Ein lösungsorientierter Coach baut auf bisherigen Erfolgen (was schon immer ein bisschen klappt) auf und beleuchtet Ressourcen statt mit dem Klienten ausführlich dessen Probleme zu analysieren und Erklärungen dafür zu suchen, warum etwas nicht klappt.

Schon Wittgenstein betonte, dass die Lösung eines Problems im Verschwinden dieses Problems liege:

„Dass das Leben problematisch ist, heißt dass dein Leben nicht in die Form des Lebens passt. Du musst dann dein Leben verändern, und passt es in die Form, dann verschwindet das Problematische.“

 

Den besten Zugang zur Lösungsorientierung bekommt man durch ein konsequentes “So tun als ob“. Durch solche Handlungen öffnen sich Türen in die Welt der Lösungen fast automatisch. Statt gegen etwas zu handeln wird das Richtige getan, der Richtung der Sehnsucht gefolgt.

 

Lösungsorientierte Beratung ist in der Regel eher kurz, unkompliziert und einfach (nicht leicht).

Oftmals reicht es, ein ausführliches, lösungsfokussiertes Erstinterview durchzuführen. Daran können sich dann nach Bedarf 1, 2 oder 3 Folgesitzungen anschließen.

 

 

àWie könnte nun ein lösungsorientiertes Erstinterview ablaufen?

 

1. Begrüßung

 

2. Stärkung des Klienten und Erwartungen an das Interview:

 

„Was läuft für Sie im Moment gut und soll daher nicht geändert werden?“

„Was müsste bis um…Uhr passiert sein, damit Sie sagen können: Die erste Sitzung hat mir was gebracht?“

 

3. Auftrags- und Kontextklärung

 

„Was ist Ihr Anliegen? Um welches Thema soll es heute gehen?“

„Wer sind die Konstrukteure des Problems und wer von den Beteiligten möchte daran etwas ändern?“

 

4.Zielklärung

 

„Was möchten Sie und woran merken Sie, dass es in die richtige Richtung geht?“

 

5. Entwurf einer erwünschten Zukunft – die Wunderfrage

 

„Angenommen, es würde eines Nachts, während Sie schlafen, ein Wunder geschehen und alles, was Sie hierher geführt hat, wäre gelöst. Niemand sagt Ihnen, dass ein Wunder passiert ist. Woran könnten Sie bemerken, dass es passiert ist? Was wäre anders? Bemerkt jemand außer Ihnen das Wunder? Und wer? Woran? Und was vermuten Sie, wie er oder sie auf Ihr Wunder reagiert? Wie reagieren Sie jetzt darauf?“

 

6. Suche nach Momenten der erwünschten Zukunft in Gegenwart und Vergangenheit – Fragen nach Ausnahmen vom Problem

 

„Können Sie sich an Situationen/Zeiten erinnern, in denen Ihr Wunder schon ansatzweise eingetreten war? Was war da anders? Wie haben Sie das damals gemacht?“

 

7. Pause von ca. 10 – 15 Minuten

 

Klient: das Gespräch auf sich wirken lassen, den eigenen Suchprozessen folgen, offene Fragen

 

Berater/Coach: individuelle Reflexion, Reflexion im Team, Hypothesenbildung, wertschätzende Beobachtungen beim Klienten, Vorbereitung von Botschaften und Anregungen bzw. Vorschlägen

 

8. Botschaften

 

„Ich war sehr beeindruckt von Ihrer Fähigkeit…. Ich habe den Eindruck, Sie könnten diese Fähigkeit dazu nutzen….“

„Ihr Anliegen erinnert mich an eine Klientin, die vor 2 Monaten zu mir kam. Damals war es für sie sehr hilfreich…. Vielleicht könnte das auch für Sie hilfreich sein.“

 

9. Anregungen/Vorschläge

 

„Möchten Sie dazu jetzt noch ein paar Anregungen, die Sie zu Hause ausprobieren können – ohne Garantie, dass es auch wirklich so funktioniert?

„Haben Sie Lust, sich auf ein kleines Experiment einzulassen?“

 

 

àWas sind Themen und Fragen für Folgesitzungen?

 

-Was hat sich verbessert? Woran merken Sie, dass Sie eine Schritt weiter gekommen sind? Wie haben Sie diesen Schritt geschafft?

 

-Hat sich für Sie ausreichend viel verbessert?

 

-Woran merken Sie, dass Sie die Beratung beenden können?

 

Ob es nach dem Erstinterview noch weitere Sitzungen gibt, entscheidet immer der Klient.

 

 

Ich habe mit dem lösungsorientierten Ansatz sowohl beim Familiencoaching und Ausbildungscoaching als auch bei der Lernförderung von Kindern und Jugendlichen beziehungsweise bei jeder Form der Basisberatung von Einzelpersonen und Gruppen inzwischen sehr positive Erfahrungen machen können.

Meine Klienten und ich sind immer wieder überrascht und beeindruckt, welche Ressourcen und Stärken eine Lösungsorientierung „zu Tage bringt“.

 

 

28.05.2012 - Susanne Mungenast 

 

 

Liebe Familien, hier eine wirklich interessante Buchempfehlung für Sie! 

 

Es handelt sich um das Buch

 

„Familienaufstellungen. Sich selbst verstehen – die eigenen Wurzeln entdecken“

von Eva Tillmann, erschienen 2012 bei Klett-Cotta.

 

 

Eva Tillmetz verdeutlicht zunächst in einem einführenden Teil, dass das Interesse an Familie, an Familienbeziehungen, an Vernetzung innerhalb der Familie derzeit stark zunimmt.

Dementsprechend wächst auch das Interesse an Familiencoaching, Familienberatung und Familientherapie, um persönliche Probleme, Konflikte und wiederkehrende Beziehungsschwierigkeiten erfolgreich lösen zu können.

 

Was sind zum Beispiel die Auswirkungen von Krankheit eines Familienmitgliedes, von Schulproblemen eines Kindes, von Ablösungsschwierigkeiten eines Jugendlichen auf alle anderen Familienmitglieder?

Was können alle Mitglieder eines Familiensystems dazu beitragen, die Probleme zu lösen?

 

Die systemische Familienberatung und Familientherapie machen laut Tillmetz Wechselwirkungen in Familiennetzen verstehbar, sichtbar, hörbar, spürbar.

Hierbei bedienen sich Berater und Therapeuten gerne dreier Methoden: der Familienskulptur, der Familienaufstellung und der Familienrekonstruktion.

 

Eva Tillmetz erklärt Ihnen in ihrem auch für Laien sehr verständlich und interessant geschriebenen Ratgeber Unterschiede und Schwerpunkte dieser drei beliebten Methoden; aber auch, worauf bei der Auswahl aus dem inzwischen sehr großen Angebot zu achten ist und wie Sie die für Sie passenden Berater oder Therapeuten finden.

 

 

Hier eine Kurzbeschreibung der drei Methoden nach Eva Tillmetz zur Orientierung:

 

Familienskulptur:

beleuchtet und klärt in einem 1. Schritt den Ablauf von aktuellen Kommunikations- und Beziehungsmustern innerhalb einer Familie;

in einem 2. Schritt können diese familialen Muster dann individuell verändert und anders gestaltet werden;

gebraucht werden zunächst nur so viele Personen, wie aktuell an der Problemsituation beteiligt sind

 

Familienaufstellung:

beleuchtet und klärt die Grundstrukturen der Familie, die Positionierung der einzelnen Familienmitglieder zueinander;

einbezogen werden alle zum Familiensystem gehörenden Personen, auch Verstorbene, Vermisste, Ausgestoßene…

 

Familienrekonstruktion:

beleuchtet und klärt Entwicklungen in der Familiengeschichte;

es werden viele Szenen nachgestellt, die sich im Verlauf der Geschichte einer Familie ereignet haben;

gebraucht wird eine größere Gruppe von Personen, die oft über mehrere Tage zusammenbleibt.

 

 

Frau Tillmetz möchte mit ihrem Buch erreichen, dass Sie einfach Lust bekommen, sich mit Ihrer Familie zu beschäftigen - auch unabhängig von aktuell existierenden Problemen.

Sie nimmt Sie mit auf eine spannende Reise, auf der Sie „beim Entdecken Ihrer Wurzeln sicherlich auch Ihre Flügel spüren!“